90 Tage Handarbeit: Wie bei Ana Alcazar ein Designerkleid entsteht
|
|
|
Lesezeit 10 min
|
|
|
Lesezeit 10 min
Das Wichtigste in Kürze
Von der ersten Skizze bis zum fertigen Kleid vergehen bei Ana Alcazar rund 90 Tage. Jedes Teil durchläuft im Münchner Atelier viele Stationen und viele Hände – Herzstück ist der von Hand gezeichnete Schnitt von Schnitt-Directrice Petra Deglmann. Produziert wird nur in begrenzter Stückzahl.
Ein Kleid ist nie nur Stoff. Bevor es deins wird, war es eine Idee, eine Skizze, ein Schnitt – und ganz viel Handarbeit. Komm mit hinter die Kulissen unseres Münchner Ateliers und erlebe, wie aus dem ersten Strich auf dem Papier dein Lieblingsstück entsteht.
Über ihre Kollektionen und ihre Art zu arbeiten sagen die Designerinnen Be und Ju Ilzhöfer: „Wir wollen individuelle Looks kreieren, welche Strömungen erlebbar machen und unsere Kunden berühren und inspirieren. Denn wir lieben Exklusivität, die aus makellosem Handwerk und ungewöhnlichen Designideen entsteht. Deswegen gibt es bei uns keine Massenanfertigungen. All unsere Styles werden nur in begrenzter Stückzahl produziert.“
Diese Liebe zum Besonderen ist charakteristisch für Ana Alcazar – und sie spiegelt sich in jedem Schritt des Entstehungsprozesses wider. Hast du dir eigentlich schon einmal Gedanken gemacht, wie genau ein Designer-Teil entsteht? Wie viele Stationen durchlaufen werden, bis aus der ersten Idee ein fertiges Modell wird? Folge uns hinter die Kulissen.
Das lichtdurchflutete Ana Alcazar Atelier liegt im Münchner Süden. Hier arbeitet ein Team aus erfahrenen Schneiderinnen und Schnitt-Directricen mit viel Liebe zum Detail daran, die Ideen der Designerinnen umzusetzen – vom ersten Muster bis zum fertigen Modell. Betritt man die großräumigen, hallenartigen Räume, fallen sofort die vielen Kleiderstangen auf, an denen einzelne Kollektionsteile hängen. Präzise Schnitte, starke Farben und exakt herausgearbeitete Details – das sind die Markenzeichen von Ana Alcazar. Immer wieder finden sich darin Form-Anleihen aus den großen Modeepochen.
Im Herzen der Räume haben die Designerinnen ihre Kreativschmiede eingerichtet: Über Stoffmuster und Zeichenblöcke voller Skizzen hinweg blickt man aus überdimensionierten Fenstern direkt in die Natur. Ein guter Platz für große und kleine Ideen. In der Näherei selbst stehen Holztische und Stoffballen, die darauf warten, verarbeitet zu werden. Aber wie genau? Wir haben es für dich herausgefunden.
Mit einem Einfall, einem kreativen Gedanken fängt alles an. Sobald dieser im Kopf der Designerinnen entsteht, greifen Be oder Ju Ilzhöfer zum Stift, zeichnen erste Entwürfe und erstellen Skizzen. An diesen feilen sie oft tagelang: Sie ziehen sich zurück, beraten sich und verfeinern so lange, bis sie mit der Idee wirklich zufrieden sind.
Das gilt auch für Prints. Denn im Hause Ana Alcazar werden nicht nur Kleidungsstücke, sondern auch viele Muster selbst designt. Viele Blütenprints, grafische Muster oder Ethnomotive, wurden von den Designerinnen eigenhändig entworfen und kreiert. Selbst bei so einem Detail ruhen sie nicht, bis die Blüte, das Ornament oder die Grafik in allen Facetten perfekt aussieht. Das kann mal schnell gehen, mal länger dauern – jeder, der schon einmal kreativ gearbeitet hat, weiß, dass solche Schöpfungsprozesse ihren ganz eigenen Gesetzen folgen.
Im Atelier geht es nicht nur um Können, sondern um gelebte Leidenschaft. Genau dieses Hand-in-Hand-Arbeiten macht aus einem Entwurf am Ende ein kleines Fashion-Kunstwerk.
Erst wenn die Idee ausgereift ist, machen sich Be und Ju Ilzhöfer auf die Suche nach dem passenden Stoff – für das Maxikleid, den Midirock oder das gerade entworfene Top. Fall, Griff und Farbe müssen zur Idee passen, und die Auswahl fällt bei der Fülle an Möglichkeiten oft nicht leicht.
Ist der Stoff gefunden, wird aus der Skizze ein maßstabsgetreuer, detailgenauer Schnitt – von Hand gezeichnet. Wegen der vielen Proportionen, die beachtet werden müssen, erinnert das ein bisschen an eine technische Zeichnung. So entsteht die erste Schnittschablone für die Prototypen, die später im hauseigenen Atelier genäht werden. Dieser Schritt ist das eigentliche Herzstück – und genau hier kommt unsere Schnitt-Directrice Petra Deglmann ins Spiel (mehr dazu im Interview weiter unten).
Ist die Schnittschablone fertig, wird sie auf einen Teststoff gelegt und festgesteckt, um ein erstes Probe-Kleidungsstück zu fertigen. Der Stoff wird zugeschnitten und vernäht – und erst jetzt wird es richtig konkret: An einem lebenden Model wird die Passform optimiert. Der Ursprungsschnitt wird bis ins letzte Detail korrigiert und angepasst, damit der Look vorteilhaft fällt, Muster exakt sitzen und das Piece die Figur schön in Balance bringt.
Erst wenn der verfeinerte Schnitt der Realitätsprüfung standhält, wird er via Vektorgrafik digitalisiert und ausgedruckt – so entsteht die endgültige Schnittvorlage, die anschließend vervielfältigt wird. Die ausgedruckten Cuts schneidet die Schneiderin aus; sie dienen als Schablone für den ersten Prototyp aus Originalstoff. Auch Modedesign kommt heute eben nicht mehr ohne moderne Technik aus.
Bevor das erste Musterteil aus dem edlen Material gefertigt wird, besprechen die Designerinnen mit der erfahrenen Schnitt-Directrice noch einmal den Schnitt und seine Besonderheiten. Häufig geht es dabei um spezielle Erfordernisse des Nähens oder Feinheiten im Umgang mit dem Stoff: Was ist zu beachten? Worauf kommt es an? Erst dann wird der Prototyp aus Originalstoff endgültig gefertigt.
Besonders bei komplizierteren Mustern gibt es einiges zu beachten – hier kommt es auf viel Augenmaß und vor allem Know-how an. Viele Ana Alcazar Kollektionsteile stechen durch aufwändige Prints hervor: von Paisley-Prints über Animal-Prints bis zu XXL-Blumen und grafischen Dekors ist alles dabei.
Und genau hier zeigt sich die hohe Kunst des Kreierens: Wenn es um die exakte Platzierung des Motivs auf dem Kleid geht, spricht man davon, dass der Rapport berücksichtigt werden muss. Der Rapport meint bei gemusterten Stoffen die Länge eines Musters, bis es sich wiederholt. Bei großem Rapport verbraucht man mehr Stoff, wenn man die Teile passgenau nach dem Muster zusammennähen möchte. Schließlich soll es nicht passieren, dass Motive in den Seitennähten verschwinden oder das Muster auf ein und demselben Modell unterschiedlich läuft.
Genau dieser Schritt ist ein gutes Beispiel dafür, was den Unterschied zwischen schneller Massenware und durchdachter Designermode ausmacht: Wir bedrucken den Stoff vor dem Zuschnitt und platzieren das Motiv bewusst – das ist aufwändiger und setzt echtes Können voraus, sorgt aber dafür, dass das Muster auf jedem Modell exakt sitzt. Diese Rapportarbeit ist Handwerk im besten Sinne.
Zurück zum konkreten Modell: Ist der erste Prototyp genäht, wird das Designer-Piece nochmals an der Puppe angepasst. Die Schnitt-Directrice gleicht das Ergebnis mit dem Testschnitt ab. Wenn alle im Team zufrieden sind, setzt man sich noch einmal mit den Designerinnen zusammen.
Be und Ju Ilzhöfer prüfen das Ergebnis auf Herz und Nähte. Erst nach der finalen Abnahme durch die Designerinnen am Model ist das Kleidungsstück produktionsreif.
Ein neues Modell ist geboren und tritt an, die Fashionistas zu begeistern. Dazu wird der Look an einem Fashion-Model fotografiert und dem Vertrieb vorgestellt. Die produzierte Stückzahl richtet sich nach der sogenannten Vororder. Und dann erscheint der Look endlich u. a. im Ana Alcazar Online-Shop – und du kannst deinen Favoriten bestellen. Viel Freude bei deinem großen Auftritt in einem Designer-Teil, das von der ersten Idee bis zum fertigen Modell fast 90 Tage in der Mache war.
Petra Deglmann ist seit über 25 Jahren bei Ana Alcazar und damit die rechte und linke Hand der Designerinnen Be und Ju Ilzhöfer. Sie ist unsere heimliche Königin: Aus einer Skizze zaubert sie den Schnitt – und erst dann kann ein Kleid überhaupt genäht werden. Wir haben ihr fünf Fragen gestellt.
1. Petra, du machst aus einer Skizze einen Schnitt. Wie muss man sich diesen Moment vorstellen?
Eine Skizze ist eine Idee in zwei Dimensionen – mein Job ist es, daraus etwas Dreidimensionales zu machen, das später an einem echten Körper funktioniert. Ich schaue mir an, was Be und Ju wollen: Wie soll das Teil fallen, wo soll es betonen, wo Weite haben? Dann zeichne ich den Schnitt von Hand, maßstabsgetreu. Der Schnitt ist sozusagen das Skelett des Kleides. Stimmt er nicht, hilft auch der schönste Stoff nichts.
2. Was macht für dich einen typischen Ana-Alcazar-Schnitt aus?
Die klare Linie und die durchdachten Details. Wir arbeiten gern mit Anleihen aus den großen Modeepochen, aber immer so, dass es modern bleibt. Ein guter Schnitt schmeichelt der Trägerin, ohne sie zu verstecken – er bringt die Figur in Balance. Und weil wir in kleinen Stückzahlen denken, können wir uns Feinheiten leisten, die in der Massenproduktion gar nicht möglich wären.
3. Beim Testmodell wird am lebenden Model angepasst. Was korrigierst du am häufigsten?
Sehr oft die Schulter- und Halspartie, weil dort entscheidet sich, wie das ganze Teil hängt. Dann die Taille und der Fall des Rocks. Wichtig ist mir, dass ein Kleid nicht nur im Stehen schön aussieht, sondern sich auch im Sitzen und in Bewegung gut anfühlt. Ein Millimeter an der richtigen Stelle macht da oft den Unterschied.
4. Welche Rolle spielt der Stoff für deine Arbeit?
Eine riesige. Jeder Stoff verhält sich anders – Gewicht, Fall, wie ein Muster läuft. Deshalb spreche ich vor dem Zuschnitt aus dem Originalstoff immer noch einmal mit den Designerinnen über die Besonderheiten. Gerade bei großen Prints muss ich den Rapport mitdenken, damit das Motiv auf jedem Modell exakt an derselben Stelle sitzt. Das ist Kopfarbeit, bevor die Schere überhaupt ansetzt.
5. Woran erkennst du, dass ein Modell wirklich sitzt?
Wenn man vergisst, dass man es anhat. Wenn die Trägerin sich frei bewegt und nichts zwickt oder verrutscht, dann stimmt der Schnitt. Und wenn Be und Ju am Ende zufrieden nicken – dann weiß ich, dass wir es haben. Erst dann geht das Teil in die Produktion.
Du musst kein Profi sein, um gute Verarbeitung zu erkennen. Diese kleine Checkliste hilft dir beim nächsten Kleiderkauf:
Das Muster läuft über die Nähte hinweg sauber weiter (Rapport sitzt).
Nähte sind gerade, flach und ohne Wellen verarbeitet.
Das Kleid fällt im Stehen, Sitzen und in Bewegung gleichermaßen schön.
Futter, Reißverschluss und Saum sind sauber eingearbeitet.
Das Muster bricht an den Seitennähten ab oder läuft schief.
Der Stoff wirkt aufgedruckt statt durchgefärbt und franst schnell aus.
Das Teil zwickt, zieht oder verrutscht schon beim ersten Anprobieren.
Fäden hängen heraus, Nähte sind ungleichmäßig.
Von der ersten Skizze über den von Hand gezeichneten Schnitt bis zur finalen Abnahme durch Be und Ju Ilzhöfer vergehen rund 90 Tage. Dazwischen liegen unzählige Entscheidungen, Korrekturen und viel Erfahrung – allen voran die unserer Schnitt-Directrice Petra Deglmann. Genau dieser Aufwand ist es, der aus einem Stück Stoff ein Designer-Teil macht, das du mit gutem Gefühl trägst. Denn bei Ana Alcazar steckt in jedem Kleid eine Geschichte. Wear your story.
Von der ersten Idee bis zum produktionsreifen Modell vergehen bei Ana Alcazar rund 90 Tage. In dieser Zeit durchläuft jedes Teil viele Stationen – von der Skizze über den Schnitt und das Testmodell bis zur finalen Abnahme durch die Designerinnen.
Der Rapport ist die Länge eines Musters, bis es sich wiederholt. Damit ein Print auf jedem Kleid exakt an derselben Stelle sitzt und nicht in den Nähten verschwindet, muss der Rapport beim Zuschnitt berücksichtigt werden. Das ist aufwändig, sorgt aber für gleichbleibende Qualität.
Nein. Alle Styles entstehen in begrenzter Stückzahl. Die Entwürfe und Schnitte werden im Münchner Atelier entwickelt; die produzierte Menge richtet sich nach der Vororder.
Eine Schnitt-Directrice übersetzt die zweidimensionale Designskizze in einen dreidimensionalen Schnitt – die Schablone, nach der ein Kleid genäht wird. Sie verantwortet Passform, Detailkorrekturen und die Abstimmung mit den Designerinnen. Bei Ana Alcazar ist das Petra Deglmann, seit über 25 Jahren im Haus.
Entworfen und im Schnitt entwickelt werden sie im Ana Alcazar Atelier im Münchner Süden. Die Produktion erfolgt in Europa.
Manchmal braucht eine Story mehr, als ein Foto zeigen kann. Einzelne Bilder in diesem Artikel wurden daher mit künstlicher Intelligenz (KI) erstellt – kuratiert, inspirierend und immer im Geist von Wear your Story. Die mit KI erstellten Motive sind direkt am jeweiligen Bild gekennzeichnet.