Alessandro Michele im weißen T-Shirt, Jeans und grüner Baseballcap mit mehreren Layering-Ketten beim Schlussgang einer Gucci-Show, applaudierendes Publikum

Micheles New Hippie Chic

Autorin: Christine Schmitz

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Kaum ein anderes Modehaus ist von so vielen Persönlichkeiten und Stilen geprägt wie Gucci. Ob klassisch und elegant in den 70ern, sexy und verrucht in 90ern oder hippiesk und trendy heute – das italienische Modehaus befindet sich stetig im Wandel. Und auch der neue Chefdesigner Alessandro Michele verschaffte Gucci eine neue Identität.


Alle Augen sind auf den sich langsam mit Licht flutenden Laufsteg gebannt. Es ist der 25. Februar 2015, an dem der Designer Alessandro Michele seine Debüt-Kollektion für Gucci präsentiert und damit eine neue Ära im Traditionshaus einläutet. Musik ertönt aus den Lautsprechern und das erste Model betritt den Laufsteg. 

Michele läutet neue Ära bei Gucci ein

Die Kollektion ist androgyn, geschlechterlos und wenig sexy. Hochgeschlossene Schluppenblusen zu Plissee-Röcken in Midi-Länge, Birkenstock-ähnliche Sandalen in Kombination zu weiten, körperfernen Kleidern und unter den zu groß wirkenden Anzughosen blitzen Slipper mit Pelzbesatz hervor. Die Schau ist die Zerstückelung des Gucci-Stils, den die frühere Kreativdirektorin Frida Giannini fast ein Jahrzehnt lang prägte. Man sucht vergeblich nach aufreizenden Bodycon-Kleidern, mörderischen High-Heels oder einem dramatischen Make-up.

Porträt von Alessandro Michele mit langen Wellen und Bart in einem schwarzen, floral bestickten Anzug mit hochgeschlossener Schluppenbluse
Blumen-Stickerei, Schluppenbluse, kein Bodycon: Michele ersetzt aufreizende Eleganz durch romantische, androgyne Ästhetik

Micheles erste Kollektion ist wegbereitend für einen neuen Look. Als sich der Designer nach der Show mit seinen langen Haaren, einer viel zu weiten Baumwollhose und der mit Haifischzähnen behängten Kette zum ersten Mal dem Publikum zeigt, wirkt er mehr wie ein Hippie aus dem San Francisco der 70er-Jahre als ein High-Fashion-Designer, wie man ihn sich vielleicht vorstellt. Sein persönlicher Stil spiegelt sich bis heute in all seinen Kollektionen. So setzte er für den Winter 2016 seinen Models überdimensionale Nerdbrillen auf die Nase und verhüllte sie mit langen bunten Maxikleidern. Die aktuelle Kollektion für den Sommer 2017 ist inspiriert vom Boho-Chic der 70er-Jahre. Michele kreiert eine bunte Glitzerwelt mit fast schon Kitschig wirkenden Tüll-Röcken, kombiniert zu Rüschen besetzten Blusen, eine Baseball-Uniform bekommt glitzernde Stickereien, die Puffärmel der Maxikleider haben die Form einer Ananas und der klassische Gucci-Cardigan bekommt kurzerhand eine Kapuze. Mit einer fast kindlichen Unvoreingenommenheit geht Michele die Mode an. Ohne Konventionen, Regeln und Traditionen findet er seinen ganz eigenen Weg, etwas ganz neues zu kreieren.

Alessandro Michele in einem schimmernden Anzug mit Tiger-Print und goldener Fliege auf einem roten Teppich
Bunte Glitzerwelt statt Mode-Regeln: Micheles maximalistischer Tiger-Print-Anzug zeigt seine fast kindlich-unvoreingenommene Designfreude

Designer-Feeling à la Gucci

Gut zu wissen

Alessandro Michele prägte Gucci von 2015 bis 2022 als Creative Director mit seinem romantisch-maximalistischen Stil. Seit März 2024 ist er Creative Director bei Valentino.

 
Moderedakteurin Christine Schmitz für  Ana Alcazar

Christine Schmitz

Meine Liebe zu Mode und Kommunikation hat mich zu Ana Alcazar gebracht – als Texterin & Konzepterin in der klassischen Werbung groß geworden, schreibe ich seit über 10 Jahren für unser Münchner Designerlabel. Im Redaktionsteam bin ich für alle Corporate-Themen zuständig, außerdem befasse ich mich hier mit aktuellen Trends & meinem Herzensthema Gleichberechtigung.

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